Die Allein- und Mehrverdienerfalle
- Teresa

- 20. Mai 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Juni 2025
Viel wird gerade darüber gesprochen, dass Frauen mehr arbeiten sollen, raus aus der "Teilzeitfalle". Um die “stille Reserve” zu heben. Alles im Namen von Wirtschaftswachstum, Gleichberechtigung und der Verhinderung von Altersarmut.
Ein weiterer, wichtiger Aspekt, der dabei wenig beleuchtet wird: Dass Nichtarbeit oder Teilzeit von einem der Partner:innen auch die Beziehung beeinträchtigen kann. Denn wenn innerhalb einer Partnerschaft eine Person deutlich mehr oder sogar ausschließlich für das Einkommen sorgt, entsteht ein Macht- und Verantwortungsgefälle.
Dieses ist nicht zwangsläufig beabsichtigt oder erwünscht – und selten hilfreich für eine gleichberechtigte, langfristig tragfähige Beziehung.
Allein- und Mehrverdiener:innen: Mehr Geld, mehr Verantwortung
Alleinverdiener:innen dokumentiert. Sie spiegeln wider, dass mit mehr Erwerbseinkommen auch die Verantwortung steigt - und das nicht immer gewollt, unbeschwert und aus echter Überzeugung.
Stattdessen zeigt sich, wie die Ungleichverteilung von bezahlter Erwerbsarbeit und dem verbundenen finanziellen Machtungleichgewicht für alle Beteiligten problematisch ist, nicht nur dem/der Nicht- bzw. Geringer-Verdiener:in.
„Ich würde mich wohler fühlen, wenn ich wüsste, dass nicht die komplette Familie von meinem Gehalt abhängig ist.“
Das sagt zum Beispiel der Entwicklungsingenieur Rudolf, 57 Jahre. Er erzählt von Müdigkeit, sozialem Rückzug und Gereiztheit gegenüber seiner nicht arbeitenden Frau. Weil er es als ungerecht empfindet, dass sie nicht arbeitet.
„Mein Traum wäre, einmal für mehrere Monate meine Batterien aufzuladen und ein kurzes Sabbatical zu machen. Aber das geht bei uns nicht. Fällt mein Verdienst weg und sind die Rücklagen aufgebraucht, ist die Existenz von vier Menschen bedroht.“ – Rudolf, 57 Jahre
Unterschiedliches Erwerbseinkommen als Macht- und Gerechtigkeitsthema
Auch wenn beide arbeiten, können Spannungen entstehen - dann, wenn das Einkommen stark auseinandergeht und die Aufteilung von Zeit und Geld als unfair empfunden wird. Denn Zeit, die man mit Geldverdienen verbringt, hat man nicht - zumindest wenn es nicht zufällig zusammenfällt - zur Selbstverwirklichung, Selbstfürsorge, für Kinder, Freunde und Hobbies.
Wer muss, wer darf in seinem/ihrem Traumjob arbeiten? Wer muss, wer darf dafür weniger Geld nach Hause bringen?
Stella, die als Lehrerin in Teilzeit durch ihr höheres Einkommen ihrem Mann ermöglicht, seinem Traumjob als Schriftsteller nachzugehen, sagt zum Beispiel:
“Regelmäßig diskutieren mein Mann und ich darüber, wie sich der Wert unserer [Erwerbs-]Arbeit bemisst. Wir lieben beide unsere Jobs, aber meiner ist gut bezahlt, seiner nicht.” - Stella, 38 Jahre
Kein Frauenthema, kein Männerthema – sondern eine Frage von Zeit, Geld, Respekt, Macht und Verantwortung.
Wie die zitierten Beispiele zeigen: Es ist keine Frage des Geschlechts, ob sich jemand schwer mit einem Mehr an finanzieller Verantwortung in der Familie tut.
Noch überwiegt in vielen Familien die Rollennorm, dass insbesondere Männer bei Familiengründung die Aufgabe der Existenzsicherung übernehmen. Trotzdem: Ein Ungleichgewicht im Erwerbseinkommen belastet Frauen und Männer in Beziehungen gleichermaßen - zumindest dann, wenn nicht darüber gesprochen und verhandelt wird.
“Heute bereue ich es, dass wir nicht von Anfang an und komplett ehrlich darüber gesprochen haben, wie wir uns den Alltag mit Kindern und Beruf vorstellen. Ich habe nie gedacht, dass unsere Vorstellungen da so weit auseinanderliegen.” - Ralf, 57 Jahre
Gemeinsam ans Mischpult von Zeit und Geld
Bei Paarity entwickle ich derzeit in Modul mit dem Arbeitstitel “Das Mischpult von Zeit und Geld”. Das Ziel: Paaren ein Framework und einen Prozess an die Hand geben, mit denen sie einen gemeinsamen Blick darauf entwickeln können,
Wie sie heute und morgen leben möchten und können (Ansprüche, Prioritäten, gemeinsame und individuelle Ziele),
Welches Geld sie dafür benötigen und welche Implikationen das für Erwerbsarbeit, Vorsorge, Investitionen hat,
Was das für eine gerechte Zeitverwendung in der Beziehung - mit Erwerbs-, mit Sorgearbeit, mit Paar-, mit Familienzeit, mit Selbstverwirklichung, mit Pflicht, mit Kür, mit … - bedeutet.
Am Dienstagabend und Samstag wird das “Mischpult” zum ersten Mal alpha-getestet.
Wie das lief und wie sich das Modul weiterentwickelt - dazu hoffentlich bald mehr an dieser Stelle!

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